Ökumenische Gemeinde

 

Als in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts im Wiesenbacher Tal das große Reha-Zentrum (heute: SRH) geplant und gebaut wurde, entstand südlich der Neckargemünder Altstadt ein neuer Stadtteil. Hierauf reagierten die Kirchen mit der Gründung der Arche.
Das 1974 in Neckargemünd bei Heidelberg gegründete ökumenische Kirchenzentrum ist sicher nicht das einzige, aber in seiner ökumenischen Konsequenz ist es bisher vermutlich einzigartig geblieben.
Der Patron der einen Hälfte der Gemeinde ist der heilige Franziskus, die andere beschirmt der heilige Stephanus, und die ganze Gemeinde nennt sich ARCHE. Heute ist sie Teil des evangelischen Kooperationsraums Elsenz-Nord und der katholischen Kirchengemeinde Neckar-Elsenz.
Somit besteht auch die ARCHE-Gemeinde formell aus der evangelischen Stephanus- und der katholischen Franziskusgemeinde, doch wurde von vornherein nie das Kirchentrennende, sondern stets das Kirchenverbindende in den Mittelpunkt gestellt. Die Menschen in der ARCHE verstehen sich als Glieder einer Gemeinde, deren "Existenzform" die Ökumene ist.
Dies findet darin Ausdruck, dass im Zentrun des Kirchenraumes der Altar mit der Taufschale steht. Darauf ist der Satz aus Epheser 4,5 zu lesen: "Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe." Die Taufe ist das Sakrament, das uns über alle Konfessionsgrenzen hinweg miteinander verbindet. (Deshalb taufen wir auch am liebsten im Rahmen der ökumenischen Gottesdienste.)
Begründungspflichtig ist bei uns nicht das, was katholische und evangelische Christ*innen gemeinsam tun – sondern begründungspflichtig ist das, was NICHT gemeinsam getan werden kann oder darf. Oder anders ausgedrückt: 
Das Gemeinsame ist die Regel!
Das drückt sich konkret wie folgt aus:
  • Die ARCHE wird in ökumenischer Eigentümergemeinschaft verwaltet.
  • Es gibt einen gemeinsamen Haushalt, in den beide Konfessionen gleichermaßen einzahlen.
  • Aktuelle Themen und Herausforderungen werden im ökumenischen Gemeinderat und Team der hauptamtlich Mitarbeitenden besprochen.
  • Das ökumenische Pfarrbüro und der Hausmeister sind zentrale Anlaufpunkte im Alltag ist.
Allen Strukturen aber geht das ökumenische Gemeindeleben voraus: Katholische und evangelische Christ:innen teilen sich mit der ARCHE nicht nur ein gemeinsames Gebäude, sondern füllen dieses auch gemeinsam mit Leben: Vom Chor über den Bibelkreis, die Meditationsgruppe bis hin zur Kleinen Kirche, zum Besuchsdienst und vielem mehr. Oft wissen die Menschen, die in die ARCHE kommen, voneinander gar nicht, ob das Gegenüber katholisch oder evangelisch ist.
Im Zentrum steht der Gottesdienst sonntags um 11 Uhr – der wird zwei Mal im Monat explizit ökumenisch, einmal evangelisch und einmal katholisch gefeiert. Dabei ist eine Besonderheit der ökumenischen Gottesdienste die Agape-Feier, das Teilen des gesegneten Brotes.
Einmal im Monat findet mit der Kleinen Kirche ein ökumenischer Gottesdienst für Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern statt.
Egal welche Form der Gottesdienst hat: alle sind eingeladen. Und nach dem Gottesdienst kann die Gemeinschaft beim Kirchencafé und am ersten Sonntag im Monat beim gemeinsamen Mittagessen fortgesetzt und vertieft werden.
 
 

Auch wenn Geld weder evangelisch noch katholisch sein kann steht fest: Die ARCHE hat einen „ökumenischen“ Finanz-Haushalt! Durch Zuweisungen der Erzdiözese Freiburg und der Landeskirche in Baden aus den Steueranteilen beider Gemeindeteile, evangelisch und katholisch, wird der gemeinsame Topf „ARCHE-Haushalt“ gespeist.
Da sowohl das Arche-Gebäude als auch die Gemeindearbeit gänzlich ökumenisch geführt werden, versteht es sich von selbst, dass dem Gemeindeleben und dem Kirchenzentrum ein „ökumenischer“ Haushalt angemessen ist. Dieser wird durch den Verwaltungsausschuss der Arche entsprechend kirchlicher Vorschriften jeweils für zwei Jahre aufgestellt.
 

Ökumenische Gemeinde - nur Luxus...?
Das Thema "Ökumene" steht aktuell nicht gerade im Mittelpunkt, wenn in der Kirche oder über die Kirche diskutiert wird.
Geht es ökumenisch überhaupt nocht weiter voran?
Sind die Kirchen momentan zu sehr mit sich selbst beschäftigt - mit ihren eigenen Problemen und Strukturen?
Betreibt man Ökumene nur dann, wenn man Zeit, Geld und Nerven übrig hat?
Ist sie ein verzichtbarer Luxus?
 
...oder Zukunftsmodell?
Katholisch oder evangelisch? Freikirchlich oder orthodox?
Das sind nicht mehr die "heißen Eisen" bei Diskussionen rund um das Thema Kirche. Das ist auch gut so: Denn darin zeigt sich ein Erfolg des ökumenischen Prozesses der letzten Jahre.
Auf konfessionelle Haarspalterei verzichten wir gerne - nicht aber auf das ökumenische Miteinander vor Ort. Gerade in Zeiten des Umbruchs sehen wir unsere Zusammenarbeit als Chance für die Zukunft.
Denn wer ökumenisch unterwegs ist,
stärkt die christliche Präsenz vor Ort,
kann verlässliche Gottesdienstzeiten anbieten,
wird bereichert durch die Vielfalt der Traditionen,
ist attraktiv für gemischt-konfessionelle Paare und Familien,
bündelt Kräfte: zwei halbe Chöre ergeben einen ganzen!
Spart Ressourcen: durch gemeinsame Gebäudenutzung,
erweitert seine Vorstellung davon, was Kirche noch sein könnte.
Feier fröhlicher!