„Gelebte Einheit ist die Zukunft der christlichen Kirche.“ Mit einem nachdrücklichen Appell hat Pfarrer Thomas Lehmkühler sich im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes am 15. Februar in den Ruhestand verabschiedet. Vor seiner Entpflichtung durch Dekanin Christiane Glöckner-Lang nutzte er seine letzte Predigt im Dienst, um noch einmal den Abschnitt im vierten Kapitel des Epheserbriefs auszulegen, dessen zentrale Worte auch ins Taufbecken der Arche eingraviert sind: „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“. Thomas Lehmkühler betonte dabei, dass die Taufe auf und der Glaube an Jesus Christus eine Einheit begründen, die der kirchlichen Realität mit ihrer Vielzahl an Konfessionen immer schon vorausgeht: „Es ist wirklich nur ein Gott, der in den vielen Kirchen verehrt wird. Der lässt sich nicht teilen in evangelische, katholische, orthodoxe oder sonstige konfessionelle Anteile.“
Seine Zeit als Pfarrer in Neckargemünd bezeichnete, im Anschluss an das Thema der evangelischen Predigtreihe, als „einfach märchenhaft“: „Für mich hat das von Anfang an gepasst, so wie der verlorene Schuh an Aschenputtels Fuß,“ auch, wenn auf dem ökumenischen Weg der Arche-Gemeinde manchmal Steine lagen und er auch Gegenwind erlebt habe, so wie die Märchenfigur in Gestalt ihrer bösen Stiefschwestern.
Die Dekanin würdigte seine berufliche Laufbahn, bei der vom Anfang bis zum Ende die Ökumene eine zentrale Rolle spielte. Dabei griff sie Psalm 31 auf: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Auf weiten Räumen sei Thomas Lehmkühler 40 Jahre lang dem Ruf seiner Kirche gefolgt, dorthin wo Gott ihn gesandt habe. Berufliche Stationen auf diesem Weg waren neben der Arche bspw. auch die ökumenischen Zentren in Stegen und Neckar-Elz. Zusammen mit Regina Meyer als Vorsitzender des Öku-Rats und Pastoralreferent Tobias Bartole sprach die Dekanin dem scheidenden Pfarrer den Segen für den Übergang in den Ruhestand zu.
In seinem Grußwort würdigte Maximilian Bernauer in Stellvertretung von Bürgermeister Jan-Peter Seidel Thomas Lehmkühlers seelsorgerisches Wirken für die Menschen in Neckargemünd und sein Einstehen für ein zukunftsträchtiges Miteinander von Kirche und Stadt, etwa wenn die Türen der Arche stets auch für kommunale Veranstaltungen offenstehen.
Im Namen des Ökumenischen Gemeinderats dankte Regina Meyer Thomas Lehmkühler für seinen Einsatz (besonders auch während der Corona-Pandemie), für seine Predigten, von denen die Gemeinde hoffentlich auch in Zukunft noch profitieren darf, für das Einbringen seiner Talente beim Fotografieren und Gestalten (etwa von Grußkarten aller Art), für das Vertrauen in die Arbeit der Ehrenamtlichen und natürlich für seinen Einsatz für die Ökumene in der Arche, auch im Rahmen von Strukturprozessen. Wolfgang Ehreiser hob hervor, dass er auch „Pfarrer für uns Katholiken in der Arche“ gewesen sei: „Ich glaube, wenn es einen Nobelpreis für Ökumene geben würde, würde ich dich vorschlagen.“ Tobias Bartole dankte im Namen des hauptamtlichen Arche-Teams und der katholischen Kirchengemeinde Kraichgau besonders für die theologische und pastorale Zusammenarbeit. Thomas Lehmkühler sei immer dafür eingestanden, dass der Weg als ökumenische Gemeinde Fortsetzung findet und gemeinsam wieder freigeschaufelt wird, wenn er mal droht verschüttet zu werden. Seine Freude an der Ökumene sei bei zahlreichen Gottesdiensten, etwa der ökumenischen Feier des Gründonnerstags und beim Segen zum Stadtradeln zum Ausdruck gekommen. Zusammen mit Hausmeister Kossi Dikpor, der früheren Gemeindereferentin Birgit Heilmann-Kastner und dem früheren Pastoralreferenten Alfred Jordine, brachte er zum Ausdruck, dass die Gemeinde vieles an dem vermissen wird, was Thomas Lehmkühler auch als Mensch in die Gemeinde eingebracht hat. Zeugnis davon gab eine gesungene Danklitanei des Arche-Teams. Das Pfarrteam des evangelischen Kooperationsraums mit Petra Hasenkamp, In Jung und Franziska Schmitt setzte den Schlusspunkt des Nachmittags mit einer kabarettistischen Einlage, in der so manche Eigenschaft in der Zusammenarbeit mit dem scheidenden Pfarrer liebevoll benannt wurde – und die Hoffnung zum Ausdruck kam, dass er seine Talente, etwa im Bereich der Fotografie, auch weiterhin zur Verfügung stellen möge.
Der Verabschiedungsgottesdienst war geprägt von Dankbarkeit, aber auch von Wehmut angesichts des Abschieds. Die Entpflichtung wurde in der Liturgie deutlich, indem Thomas Lehmkühler nach seiner Predigt aus der Reihe der Gottesdienstleitenden auf die Seite der Gemeinde wechselte. So wurde tatsächlich auch eine Lücke sichtbar. Die Pfarrstelle wird noch einmal für den Zeitraum bis Ende 2031 ausgeschrieben. Nun sind alle gespannt auf hoffentlich bald eingehende Bewerbungen.
Abschließend sei hier nochmal aus Thomas Lehmkühlers Abschiedspredigt zitiert:
„Christus allein ist die Einheit der Kirche. Er allein kann sie uns schenken. Wenn wir diese Einheit der Kirche bewahren wollen, dann können wir das nur dadurch, dass wir sie glauben und vor allem auch leben. Ich werde Christinnen und Christen anderer Konfessionen und auch den verschiedenartigen Menschen in meiner eigenen Gemeinde anders begegnen, wenn ich mir das vor Augen führe: Er oder sie ist mit derselben Taufe getauft, wie ich. Zu ihnen hat Gott das gleiche Ja gesprochen, wie zu mir. Sie sind in denselben Leib Christi eingegliedert worden, wie ich. Sie haben denselben Herrn und sind mit demselben Geist beschenkt. Das, liebe Schwestern und Brüder, gilt es zu bewahren. Haltet daran fest, auch wenn Manchen zu märchenhaft erscheinen mag. Gelebte Einheit ist die Zukunft der christlichen Kirche.“
Wer den Verabschiedungsgottesdienst verpasst hat, kann ihn sich auf dem Youtube-Kanal der Arche nochmal anschauen. 












